Eine Liebeserklärung an die Kreativbranche und wieso Liebe niemals einseitig sein sollte.

Für mich stand eigentlich schon immer fest, dass ich in der Kreativbranche arbeiten will. Irgendwas hatte mich schon immer daran fasziniert. Ich war einer derer, die nach dem Abitur zum Arbeitsamt gerannt sind und „irgendwas mit Medien“ machen wollten. Und so habe ich bereits sehr früh die Arbeit in Agenturen kennengelernt. Ob PR, Online-Marketing, klassische Werbung, Innenarchitektur oder Kommunikation im Raum – ich war von Anfang an begeistert von der kreativen Arbeitsweise und konnte mir schon bald kein anders Arbeitsumfeld mehr vorstellen. All die Parties, der Team Spirit, die offene Denkweise, die lockere Art und die Coolness, die die Kreativen versprühten – ich kann sagen, ich war regelrecht verliebt in die Branche und stolz, ein Teil davon zu sein.

All die positiven Seiten trösteten locker über die negativen Punkte, die die Branche so mit sich brachte, hinweg. Die langen Arbeitszeiten und das etwas niedrigere Gehalt nahm ich durch die rosarote Brille gar nicht richtig wahr. Und die paar schlaflosen Nächte  – wer hatte die nicht als er frisch verliebt war? Letztendlich war all das locker zu verkraften, schließlich saßen wir alle in einem Boot und zusammen konnten wir alles schaffen. Heute würde ich vermutlich sagen, ich war blind vor Liebe.

Aber nach der ersten Verliebtheitsphase wurde mein Blick langsam kritischer. Im Laufe der Zeit habe ich viele Agenturen kennengelernt. Und auch wenn jede Agentur für sich einzigartig war und unterschiedliche Kulturen vorherrschten, fing ich irgendwann an, Muster zu erkennen. Wenn ich pünktlich ging, erntete ich fragende Blicke oder komische Sprüche. Kreative waren unglücklich, weil sie Tag für Tag Infografiken des Großkunden adaptieren mussten und ihre Kreativität nicht frei entfalten konnten. Agenturpartys und Teamfrühstücke wurden gestrichen, weil ein großer Auftrag weggebrochen ist. Kollegen mussten neben der Arbeit weitere Jobs annehmen, um ihre Miete in München bezahlen zu können. Teams zerbrachen an Ellenbogenkämpfen. Mitarbeiter wurden von heute auf morgen entlassen, weil sie nicht mehr gebraucht wurden. Der Druck wuchs, die Freiheiten nahmen ab. Ich hatte zunehmend das Gefühl, dass der Mitarbeiter und seine individuellen Bedürfnisse und Wünsche nicht wirklich ernst genommen wurden. Dabei sind es doch gerade sie, die kreativ denken und Ideen und Lösungen für Kunden entwickeln. Aber Kreativität erfordert Leidenschaft, Spaß und vor allem Wertschätzung. Wer liebt, will schließlich zurückgeliebt werden. Und das konnte ich immer weniger spüren. Und so kam es, dass ich langsam anfing, an meiner Liebe zu zweifeln. Und plötzlich erkannte ich, dass ich etwas ändern musste. In mir wuchs der Wunsch, herauszufinden, was ich eigentlich im Leben erreichen wollte und worin meine Bestimmung liegt. Und das war der Punkt, an dem ich beschlossen habe, der Agenturwelt erstmal den Rücken zu zu kehren und mich von ihr zu trennen.

Und dann ging alles recht schnell. Auch wenn ich zu Beginn noch nicht genau wusste, wohin mich mein Weg führt, wusste ich, dass ich der Kreativbranche treu bleiben und ein Konzept entwickeln wollte, das sich den Missständen in der Branche annehmen und diese verbessern sollte. Egoistisch gesehen strebte ich danach, etwas zu machen, das mich erfüllt. Aber gleichzeitig wollte ich etwas machen, das Sinn stiftet und das den Menschen in den Vordergrund stellt.

Und so kam es, dass ich meinen ersten Coworking Space eröffnete, mit dem ich einen Ort schaffen wollte, an dem Kreative nicht nur arbeiten, sondern sich austauschen und inspirieren lassen können. Ich wollte eine Agenturumgebung für Freelancer und Selbständige schaffen, in der sie die positiven Seiten des Agenturlebens erfahren sollten – die Gemeinschaft, das Teamgefühl und die Möglichkeit, gemeinsam Ideen zu entwickeln. 

Aus vielen Gesprächen mit unseren Mates haben sich schließlich immer mehr Bedürfnisse herauskristallisiert. Ich lernte die Kreativbranche noch mal aus ganz anderen Perspektiven kennen: aus der des Freelancers, der kleinen Startup-Agentur, des großen Agentur-Apparats, des Zulieferers,  des Kunden. Und schließlich merkte ich, dass sich letztendlich alles um das gleiche Thema dreht: den Menschen! Der Mensch als Individuum mit all seinen Ideen, Fähigkeiten und Fertigkeiten. Aber auch der Mensch als Teil eines Teams oder eines Netzwerks. 

Das führte dazu, dass ich mich parallel immer mehr mit dem Thema New Work und den Veränderungen auf dem Arbeitsmarkt beschäftigte. Schnell wurde mir klar, dass auch hier der Mensch eine wesentliche Rolle spielt. Während das Bedürfnis des Einzelnen nach Selbstverwirklichung immer mehr zunimmt, steigt die Nachfrage nach vielfältigen Talenten, die sich kontinuierlich neu erfinden und flexibel auf sich ändernde Anforderungen reagieren können. Die Förderung der eigenen Mitarbeiter und die enge Zusammenarbeit mit starken Freelancern wird dadurch ein immer wichtigerer Erfolgsfaktor für Agenturen und Unternehmen. All diese Dinge erfordern ein neues Verständnis für die Mitarbeiter und neue Arbeitsformen sowie die Flexibilität und die Bereitschaft, Dinge zu ändern. 

Und so kam es, dass wir aus all den Informationen, meinen eigenen Erfahrungen und dem Feedback unserer Kunden die Vision entwickelten, MATES zu einem Unternehmen zu machen, das nicht beim Arbeitsplatz halt macht, sondern sich der Branche und ihrer Herausforderungen ganzheitlich annimmt, Arbeitsbedingungen und eingefahrene Muster kritisch hinterfragt, und Lösungen entwickelt, die den Menschen, seine Bedürfnisse, Fähigkeiten und Fertigkeiten in der Vordergrund stellen und ihn somit bestmöglich auf die Arbeitswelt von morgen vorbereiten. 

Und dann – und davon bin ich überzeugt – werden wir alle zusammen einen zweiten Frühling erleben. Denn zusammen sind wir MATES – the Creative Network. 

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