Thema im November: Existenzangst

2018, du bist fast vorbei. Wie wird wohl 2019?

Wow, was war das für ein Jahr. Langsam gehen die letzten Projekte zu Ende. Bei den einen wird es vielleicht nochmal richtig wild, während andere bereits entspannt das Jahr ausklingen lassen. Mit dem Jahresabschluss schleicht sich bei dem ein oder anderen sicher auch das beklemmende Gefühl ein: Was wird mit 2019? Müsste man dieses Gefühl in einem Wort zusammenfassen, könnte man es „Existenzangst“ nennen. Laut Duden ist Existenzangst die Angst das eigene Leben nicht zu meistern oder den Sinn des Lebens zu verfehlen, aber auch die Furcht vor Arbeitslosigkeit und demnach vor dem wirtschaftlichen Ruin. Diese Angst begleitet vor allem Freelancer sehr oft, da instabile Faktoren, wie Auftragslage, wirtschaftliche Situation und die direkte Konkurrenz ihnen regelmäßig schlaflose Nächte bereiten. Doch trotz aller Widerstände und Sorgen wächst die Zahl der Selbstständigen in Deutschland an – laut neuer Erhebungen durch Statista von zuletzt 1,38 Millionen 2017 auf 1,4 Millionen dieses Jahr.

Von der ewigen Entscheidung zwischen „Geld“ und „Leidenschaft“

Jeder Freelancer kennt das befriedigende Gefühl ein Projekt an Land gezogen zu haben, das perfekt zu den eigenen Interessen und Fähigkeiten passt. Ein Traumszenario, denn was gibt es Schöneres, als Spaß an seinem Beruf zu haben, alle Rechnungen bezahlen, genug Kleingeld auf die Seite legen und morgens mit einem guten Gefühl aufstehen zu können? Doch das wäre ja zu einfach. Die Realität sieht meist anders aus. Denn selten ist die Waage zwischen zuckersüßen Honig-Projekten und Projekten, bei denen man des Geldes wegen seine Seele verkauft, ausgeglichen. Der Grund: die liebe Existenzangst. Egal wie oft man sie wegscheucht, sie kehrt immer wieder zurück. Und damit bleibt die Frage: Wie schaffe ich es, täglich ein Dach über dem Kopf und Essen auf dem Tisch stehen zu haben und gleichzeitig einer Arbeit nachgehen zu können, die mich erfüllt? Gerade in Hauptstädten wie München, der schönen, aber auch sehr teuren Landeshauptstadt Bayerns, müssen hohe Mieten und Lebenshaltungskosten erst einmal bezahlt werden. Auch wenn es, wie Spiegel Online sagt, nicht überraschend ist, dass München im bundesweiten Vergleich mit 11,18 €/m2auf Platz 1 des Mietkostenbarometers landet (Platz 2 Stuttgart mit 9,76€/m2), bedeutet dies für selbstständige Kreative in München vor allem Eines: Mehr Milch- statt Honig-Projekte!

Get Your Shit Done! Leichter gesagt, als getan.

Zu dem oben genannten Struggle, gehört zur Existenzangst auch stets die Sorge, Dinge nicht erwartungsgemäß erledigen zu können. Wechselnde Auftraggeber, sich ändernde Anforderungen, Erwartungshaltungen, Prozesse und ein stetig wechselndes Team, verlangen einem viel Anpassungsfähigkeit ab. Doch was alle Aufträge gemeinsam haben: Die Anforderung „Get Your Shit Done!“. Was muss ein Freelancer in der Kreativbranche also mitbringen, damit die Existenzangst nicht zur bitteren Realität wird? Am ehesten lautet die Antwort wohl: Be an Alrounder! Denn auf einmal müssen Kreative strukturiert sein, Projektmanager kreativ, Artdirektoren Buchhaltung beherrschen – und sowieso müssen alle Deadlines einhalten können. Während man sich früher auf seine Disziplin konzentrieren konnte, ist man heute Mädchen für alles. Doch einer der essenziellsten Erfolgsfaktoren von Freelancern ist definitiv: netzwerken! Ohne enge Kontakte in der Branche wird man schnell übersehen. Das wissen auch wir bei MATES, weshalb auch wir versuchen Münchens Kreativbranche zusammen zu bringen und damit jeden Einzelnen zu stärken. „Die meisten Jobs oder Aufträge kommen durch Empfehlungen zustande oder sind Folgeprojekte. Daher sollte man schon im Studium sein Netzwerk aufbauen und nach jedem Praktikum den Kontakt halten.“, sagt Zeit Campus. Pflegt man dieses Netzwerk nicht, wird es schwer sich zwischen der Vielzahl an Konkurrenten durchzusetzen.

Konkurrenzdruck – Shit, diesen Gedanken hatten wohl schon mehrere

Wie heißt es so schön? „Früher war alles besser.“ Das ist natürlich übertrieben, doch mit der Digitalisierung, Technologie und dem Mindset, dass heute eigentlich alles möglich ist, kommt die wachsende Konkurrenz. Das ruft viele, talentierte kreative Köpfe auf den Plan, die sich mit ihren Visionen selbstständig machen wollen. Sichtbar wird der große Konkurrenzdruck am Beispiel von Crowdworking-Portalen, in denen Unternehmen ihre Projekte vorstellen. Diese Aufträge sind meist nur Mikrojobs, die gering honoriert werden – und trotzdem bewerben sich eine Vielzahl von Freelancern darauf! Die Hoffnung, durch diese Kontakte weitere Aufträge zu erhalten, verleitet viele Kreative dazu, ihre Fähigkeiten unter Wert zu verkaufen und den Konkurrenzdruck somit zu erhöhen. Sich durch anfänglich günstige Konditionen abzuheben und so schnell zu vielen Kunden zu kommen, klingt zunächst sinnvoll, um sich in der Branche zu etablieren, doch diese Strategie kann ordentlich nach hinten losgehen. In der Zeit Campus heißt es: „Oft schwimmt man dann in Arbeit und verdient dennoch wenig. Eine alternative Strategie ist es, sich von Beginn an über Qualität zu definieren, einen selbstbewussten Preis zu verlangen und mit wenigen, aber zufriedenen Dauerkunden zu arbeiten.“ Qualität statt Quantität heißt also die Devise – trotz Existenzangst. Freelancer sollten sich trauen, ihre Positionierung zu definieren und vor Auftraggebern zu verteidigen.

Natürlich gibt es noch sehr viel mehr Gesichtspunkte in Bezug auf Existenzangst und sicher geht auch jeder anders damit um. Was uns dabei am meisten interessiert: Wie sieht das hier in München aus? Wie steht es um Münchens Freiberufler in der Kreativbranche? Was empfehlen Freelancer, die selbst schon große und kleine Existenzängste durchstehen mussten, anderen? Wie hoch ist der Konkurrenzdruck wirklich und wieso entscheiden sich viele Freelancer für die Selbstständigkeit, während andere zurück in die Festanstellung wechseln? Diese Aspekte des Freelancer-Daseins behandeln wir in den kommenden November-Wochen und werden euch hier noch mehr Wissenswertes liefern. Auch werden wir exklusiv aus der Münchner Kreativszene berichten und gemeinsam mit euch bei einer Paneldiskussion das Thema diskutieren. Direkt anmelden könnt ihr euch hier.

Wir sind der Meinung, dass die Branche offener damit umgehen sollte, daher möchten wir dem Thema diesen Monat Raum geben. Habt ihr Erfahrungen damit gemacht, was bewegt euch dabei besonders? Wir möchten sehr gerne den Dialog öffnen, ob online oder offline bei uns im MATES. Lasst uns gemeinsam die Branche ein kleines bisschen besser machen!

Übrigens: Falls ihr Themen auf dem Herzen habt, über die ihr unbedingt mehr erfahren wollt, könnt ihr uns Vorschläge für Hot Topics der nächsten Monate gerne mitteilen: hello@mates-muenchen.de!

 

Quellen:
Duden, 2018, Existenzangst
Statista, 2018, Zahl der Selbstständigen 1992-2018
Spiegel Online, 2017, Mietkosten in ganz Deutschland gestiegen
Zeit Campus, 2017, Berufseinstieg für Kreative und Medienschaffende

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