Support your local – Münchens lokales Netzwerk.

München. 1,45 Millionen Einwohner. 69.000 Erwerbstätige im Kernbereich der Kultur- und Kreativwirtschaft. (MJW,2017) Und nur zwei gute Clubs. Schade, denken wir doch zurück an die guten alten Zeiten mit Kong oder Atomic Café.

Dem britischen Magazin „Monocle“ zufolge, ist München im Ranking der lebenswertesten Städte der Welt wieder ganz vorne mit dabei. Zwölfmal hat das Magazin bisher die lebenswertesten Städte gekürt, dreimal war die bayrische Landeshauptstadt auf Platz 1. Dieses Ergebnis lässt sich wirklich sehen. Dabei werden neben den Kriterien für die Bewertung der „klassischen“ Lebensqualität, wie öffentlicher Nahverkehr, Bildungssystem, Gesundheitsversorgung, Grünflächen oder Kriminalitätsrate, auch Faktoren wie z.B. das Geschäftsklima, Gastronomie und Einzelhandel der Stadt unter die Lupe genommen und beurteilt. (faz, 2018) Doch wie lebt es sich als Kreativer in München? Wo findet man die versteckten, schönen und inspirierenden Ecken Münchens?

München – Design Hauptstadt Deutschlands.

 

Klar, wenn man an die Hotspots kreativer Köpfe denkt, fallen gleich die Städte Berlin, Hamburg oder Köln. München kommt meist erst später im Satz, wenn überhaupt. Doch so unkreativ wie der Ruf erahnen lässt, ist die Landeshauptstadt überhaupt nicht! Laut dem Münchner Jahresbericht aus dem Jahr 2017 gilt München als die Designhauptstadt Deutschlands. „In kaum einer anderen europäischen Metropole boomt die Design- und Kreativbranche mit all ihren Facetten mehr als hier. Münchens Designerinnen und Designer entwickeln innovative Produkte und Konzepte nicht nur für global agierende Konzerne, sondern schaffen mitunter Produkte, die ihren Platz in internationalen Sammlungen finden.“ (MJW,2017) Und auch wenn die Gesamtbilanz der Branche hervorragend ist, kämpfen Teile der Kreativbranche mit erheblichen Schwierigkeiten.

 

Oftmals haben wir den Eindruck, dass es der lokalen Kreativbranche auch nicht gerade einfach gemacht wird. Hohe Mieten, zu wenig Raum zum Wohnen und Arbeiten, zu wenig Möglichkeiten, sich mit anderen zu vernetzen. Ab und zu bekommen Kreative die Möglichkeit, leerstehende Gebäude zwischenzunutzen, aber das ist eben auch nur „zwischen“ und nicht dauerhaft. Über kurz oder lang müssen sich die Kreativen etwas Neues suchen. Das kommt zum Beispiel auch auf das Container Collective am Ostbahnhof zu. Wie ein Vikingerdorf aus Schiffscontainern trotzt es der Großbaustelle, die immer näher zu kommen scheint. Die Kreativen, die hier ihre Shops, Büros und Ausstellungsflächen betreiben, haben es sich gemütlich gemacht. Oft wird das Areal auch von Firmen als etwas andere Veranstaltungsfläche gemietet. Die Subkultur als kreative Auszeit. Hier fühlt man sich gleich noch ein bisschen hipper und kreativer. Trotzdem wird es in ein paar Jahren einem Park weichen müssen, der den neuen Bürogebäuden als Erholungsfläche dienen soll. Außerdem ist die Außenwahrnehmung Münchens immer noch von Vorurteilen überlagert. Bussi Bussi und die Maximilianstrasse sind aber längst nicht mehr das, was München für Kreative attraktiv macht. Es ist vielmehr die Möglichkeit, Surfer und Snowboarder in der gleichen Tram sitzen zu sehen, es ist die Gelassenheit der Münchner und die Kreativität und der Enthusiasmus, mit dem sich Kreative ihre eigene Heimat schaffen und gestalten. Denn wie sonst kann man z.B. eine Stadt davon überzeugen, ein Schiff auf einer Brücke abstellen zu dürfen und als Bar und Veranstaltungsort zu betreiben?

 

Und auch während der alljährlichen Munich Creative Business Week spürt man den kreativen Vibe der Stadt. „Initiiert wurde Deutschlands größte Designwoche im Jahr 2012 vom Bayerischen Staatsministerium für Wirtschaft und Medien, Energie und Technologie und der Landeshauptstadt München, um die Attraktivität des Design- und Kreativstandortes München national und international sichtbar zu machen.“ (MJW,2017) Aber letztendlich sind es die Kreativen selbst, die mit fast 300 unterschiedlichen Veranstaltungen dazu beitragen, dass sich die MCBW zur deutschen Leitveranstaltung im Bereich Design entwickelt hat. Und genau dazu motiviert München. Sich nicht einfach dem kreativen Image unterzuordnen, sondern das Image aktiv mit zu gestalten. Denn wenn man das nicht tut läuft man Gefahr, in der bayrischen Gemütlichkeit unterzugehen. Und auch wenn die Stadt München sich bemüht, stößt sie genau hier an ihre Grenzen. Denn wenn sie wirklich als Kreativstandort wahrgenommen werden will, sollte sie die Initiativen der Kreativen nicht bremsen, sondern verstärkt fördern. Gerade in München besteht das Potenzial, neue Wege zu gehen und dem Standort gemeinsam mit den Kreativen zu einer neuen Attraktivität zu verhelfen, die wiederum kreativen Nachwuchs anzieht.

Man benötige kreative Entwicklungshelfer in allen Bereichen, um junge Leute anzulocken.

 

Michael Söndermann, Sozialwissenschaftler und seit mehr als 20 Jahren in der Kulturwirtschaftsforschung tätig, sagt in einem Artikel der Süddeutschen Zeitung, dass extra Rahmenbedingungen geschaffen werden müssen, um die Talent- und Kreativwirtschaft wirklich zu fördern. “Wenn die Stadt wirklich eine kreative Infrastruktur entwickeln will, dann muss sie viel Geld in die Hand nehmen. Auf jeden Fall eine Summe wie für die Hochkultur… Wenn die kleinen Künstler und Kreativen in andere Regionen abwandern, wird die KKW des Großraumes München auf mittlere Sicht erheblich weniger kreatives Potenzial entwickeln können.” Weiterhin äußert er der Süddeutschen Zeitung gegenüber, dass die Stadt internationale Spitzenleute holen müsse. „Man benötige kreative Entwicklungshelfer in allen Bereichen, um junge Leute anzulocken.“ (SZ, 2018) Jürgen Enninger, Leiter im Kompetenzteam Kultur- und Kreativwirtschaft der Landeshauptstadt ist der Meinung, dass die Verbesserung der Rahmenbedingungen keine einfachen Lösungen erlauben. Dies mag auch damit zusammenhängen, dass er als Verantwortlicher für die gesamte Kultur- und Kreativwirtschaft Münchens viele unterschiedliche Branchen berücksichtigen muss. (SZ, 2018)

 

Wir sind da etwas optimistischer und sagen: das kreative Potential ist bereits vorhanden. Wieso brauchen wir internationale Spitzenleute? Die lokalen Spitzenleute sind doch hier! Alles was wir brauchen sind Möglichkeiten, anstatt Grenzen und Unterstützung anstatt bürokratischer Hürden. Es ist die Bereitschaft, sich die Hand zu reichen und sich gegenseitig zu stärken anstatt immer nur den eigenen Vorteil zu sehen. Und wir appellieren an alle Münchner, wenn wir dazu auffordern: Support your local!

Nullachtneun.

 

Nullachtneun. Unser Motto des Monats Dezember. Und genau deswegen haben wir unseren DESIGN MARKET, den wir letztes Wochenende bereits zum zweiten Mal veranstaltet haben, auch unter dieses Motto gestellt. Wir haben lokalen Künstlern und Brands die Möglichkeit gegeben, ihre Arbeiten auszustellen und zu verkaufen. Und wir waren mal wieder begeistert, welche Schätze die lokale Branche zu bieten hat und wie viele Kreative sich immer noch trauen, sich gegen die großen durchzusetzen. Es war schön zu sehen, wie viele Münchner gekommen sind, um diese Künstler und Designer zu unterstützen.

Nur schade, dass die Stadt nicht da war, um das zu sehen. Aber vielleicht ja nächstes Jahr. Denn wir als MATES werden uns auch in Zukunft dafür einsetzen, dass die Stadt ein kleines bisschen kreativer wird.

 

Quellen:

Frankfurter Allgemeine, 2018, https://www.faz.net/aktuell/stil/muenchen-ist-die-lebenswerteste-stadt-der-welt-15668863.html

Münchner Jahreswirtschaftsbericht, 2017, http://www.wirtschaft-muenchen.de/publikationen/pdfs/Jahreswirtschaftsbericht-muenchen-2017.pdf

Süddeutsche Zeitung, 2018, https://www.sueddeutsche.de/muenchen/kreative-muenchen-subkultur-1.4233827

 

 

Share this story

Good Newsletter

Lust auf News, Workshops, Ausstellungen, Events oder einfach mal Gossip aus Münchens Kreativ-Szene? Dann melde dich hier für den MATES Newsletter an:

X
X