Go Youngsters. Ein Interview mit einer jungen Grafikdesignerin.

“Ich liebe die Abwechslung, die dieser Job mit sich bringt. Man lernt verschiedene Unternehmen und Bereiche kennen und muss sich immer wieder mit neuen Themen beschäftigen.”

 

Durch ein Bild auf Instagram ist Kira auf Georgien aufmerksam geworden und wollte mehr darüber erfahren. Im April ist sie dann in die Hauptstadt Georgiens geflogen und hat dort 10 Tage recherchiert und Interviews mit Einheimischen geführt. Typografisch umgesetzt, wurden die Aussagen dieser Menschen letztlich Teil ihrer Diplomarbeit “Pushing Boundaries”. Worum es in ihrer Arbeit genau geht, wie Kira zu ihrem Studium gekommen ist und welche Erfahrungen sie selbst mit dem Thema “Nachwuchsförderung” gemacht hat, erfahrt ihr im folgenden Interview.

 

MATES: Hi Kira, schön, dass du dir für dieses Interview Zeit nimmst. Magst du dich zunächst einmal kurz vorstellen?

Kira: Mein Name ist Kira,  ich bin in Stuttgart geboren und aufgewachsen und vor 3 Jahren dann nach München gezogen, um Grafikdesign an der IFOG Akademie zu studieren.

MATES: Wie bist du dazu gekommen Grafikdesign zu studieren? Und wo liegt der Schwerpunkt in deinem Studium? 

Kira: Ich habe zwei Semester in Maastricht “Arts & Culture” studiert und habe dann im Sommer ein Praktikum in der Unternehmenskommunikation bei der Gothaer Versicherung in Köln gemacht. In diesem Praktikum hatte ich meine ersten Berührungspunkte mit Grafik Design. Darauf hin habe ich recherchiert und bin auf die IFOG Akademie in München gestoßen. Dort habe ich mich direkt beworben und bin dann von Maastricht nach München gezogen. Der Schwerpunkt meines Studiums liegt ganz klar in den praxisbezogenen Aufgaben. Und das ist auch der Teil, der mir besonders viel Spaß macht. Unsere Dozenten versuchen die Aufgaben immer so zu stellen, als wären es reale Aufgaben mit Recherche, Ausdetailierung und Deadline am Ende. Auch das präsentieren der eigenen Arbeiten ist eine gute Übung für später, wenn man beispielsweise auf einen echten Design Pitch gehen muss.

MATES: Hast du neben deinem Studium bereits Praxiserfahrungen gesammelt?

Kira: Ich habe in den Semesterferien Praktikas bei der Gothaer Versicherung, SZ Magazin und KMS Team gemacht. Als Werkstudent habe ich außerdem noch bei ABOUT YOU gearbeitet und bin als Freelancer tätig. So habe ich für Zahntechniker, Naturkosmetik, Likörhersteller und Hochzeitspaare gearbeitet und konnte durch die unterschiedlichen Anforderungen, viel dazu lernen können . Gerade bin ich Werkstudentin beim KMS Team.

MATES: Was begeistert dich an deiner Arbeit? 

Kira: Ich bin mit vollem Herz Designer und liebe meine Arbeit. Mich macht es glücklich, anderen eine visuelle Übersetzung ihrer Firmenwerte geben zu können. Mir macht es Spaß, Konzepte zu erstellen und auszuarbeiten. Ich liebe auch die Abwechslung die dieser Job mit sich bringt. Man lernt verschiedene Unternehmen und Bereiche kennen, muss sich immer wieder mit neuen Themen beschäftigen und darüber recherchieren, um dem Kunden die bestmögliche Lösung für das Unternehmen bieten zu können. Das schätze ich so an meinem Beruf.

MATES: Du bist gerade im letzten Semester deines Studiums und hattest im Juli die Vernissage deiner Diplomarbeit. Worum geht es in dieser? 

Kira: Meine Diplomarbeit beschäftigt sich mit verschiedenen Perspektiven von Georgiern über Georgien. Der Titel „Pushing Boundaries“, greift auf mehrere Ebenen Gedanken meiner Recherche und meinen Erlebnissen im Land selbst auf. In sieben Kapiteln habe ich versucht verschiedene Themen zu behandeln und somit verschiedene Perspekitven zu zeigen. Der Hauptteil beschäftigt sich mit den Menschen in Georgien. Diejenigen, die ich getroffen habe, sind offen, warmherzig und stark gewesen. Sie kämpfen hart für eine bessere Zukunft. Die einzelnen Aussagen in den Interviews sind teilweise sehr ergreifend und für uns vielleicht auch manchmal unvorstellbar. Diese Aussagen stehen, in meiner selbst erstellten Typografie, in Schwarz auf gelben Seiten. Meine Typografie, basiert auf dem georgischen Alphabet, welches aus 33 Buchstaben besteht. Ich habe mir jeden Buchstaben angeschaut und geschaut, welcher Buchstabe einem lateinischen Buchstaben ähnelt, diesen dann verändert und angeglichen um daraus einen lateinischen Buchstaben zu machen und am Ende ein Alphabet mit 26 Buchstaben zu bekommen. Damit sind viele Überschriften in meinem Buch geschrieben und alles Interview-Aussagen sind mit meiner eigenen Typografie geschrieben.

  

 

 

MATES: Wie bist du zu diesem Thema gekommen? Und was hat dir am meisten Spaß gemacht? 

Kira: Im November 2018 habe ich ein Bild auf Instagram von den Missständen in Georgien gesehen. Das Bild ist von Daro Surakuli, sie ist eine georgische Foto-Journalistin. Das Bild, welches ich gesehen habe wurde 2015 mit dem EU Prize for Journalism ausgezeichnet, für ihre Serie zu Kinderhochzeiten, in der Kategorie Dokumentarfotos. Ich habe mich darauf hin mehr mit dem Land beschäftigt und mich Geschichtlich und kulturell in das Land eingelesen. Mich hat das Land fasziniert und ich wollte mehr darüber erfahren und dort vor Ort mit den Menschen sprechen. Im April bin ich dann in die Hauptstadt Georgiens geflogen und habe dort 10 Tage recherchiert und Interviews geführt. Das war eine einzigartige und besondere Erfahrung, denn ich habe so viele mutige und engagierte junge Menschen getroffen. Die Georgier, welche ich getroffen habe, haben mir gesagt, dass sie für ein freies liberales und demokratisches Land kämpfen und das es so toll wäre, wenn Georgien zur Europäischen Union dazu gehören würde. Ich habe in meiner Arbeit dann versucht diese Perspektiven darzustellen und auch die Provokation, die die Menschen im Land nutzen um etwas zu Verändern.

 

MATES: Was machst du gerne in deiner Freizeit bzw. wenn du “nicht studierst/arbeitest”? 

Kira: Wenn ich von der Arbeit nach Hause komme, stelle ich mich am liebsten in die Küche und koche für Freunde. Ich liebe es für Andere zu kochen, den Tisch schön zu dekorieren und dann zusammen zu essen. In meiner ganzen Familie wird gerne und sehr gut gekocht. Das Talent wurde mir praktisch schon in die Wiege gelegt. Und natürlich liebe ich es auch auf Reisen verschiedene nationale Gerichte auszuprobieren und diese dann wieder in die Heimat zu nehmen und nach zu kochen. Deswegen liebe ich das Reisen auch. Ich tauche gerne in andere Kulturen ein und lerne diese durch die Küche vor Ort besser kenen. Aber ich treffe mich auf einfach gerne mit meinen Mädels auf einen Aperol Spritz 🙂

MATES: 5 Fakten über dich 

Kira: Ich bin Vegetarier, koche aber Fleisch für Andere. Ich komme aus einer großen Patchworkfamilie. Wir sind insegsamt 4 Geschwister und verstehen uns super, worauf ich sehr stolz bin.

MATES: Unser Thema im Sommer ist ja “Go Youngsters”. In diesem Zusammenhang beschäftigen wir uns auch besonders mit der “Nachwuchsförderung”. Wo/inwiefern hattest du bereits Berührungspunkte damit? 

Kira: Bisher leider noch nicht im öffentlichen Raum. Ich kenne Nachwuchsförderung nur vom Sport. Die einzige Förderungen, die ich bekommen habe, sind von meinen Eltern und das zählt glaube ich nicht. 🙂 Ich finde es wichtig, gerade für Kreative mehr Förderungen zu geben und kreativen Projekten mehr Aufmerksamkeit schenken. Ich kenne es von Freunden, die zum Beispiel BWL studiert haben, und dann über ein Praktikum bei einer Firma in ein Förderprogramm gekommen sind und darüber jedes Jahr eigeladen werden und sich austauschen. Im kreativen Bereich habe ich persönlich so etwas noch nicht erlebt und fände es toll, wenn es mehr Förderung geben würde.

MATES: Wo siehst du, in Bezug auf Nachwuchsförderung, die Herausforderungen? Was hättest du dir hier (mehr) gewünscht?

Kira: Ich kann mir vorstellen, dass es eine Herausforderung sein kann, einem Projekt oder einer Person genug Aufmerksamkeit zu verschaffen, sodass es sich als Förderung auch rechnet und beide Parteien davon profitieren können. Ich persönlich hätte es toll gefunden, wenn es mehr Veranstaltungen gegeben hätte, wo man sich als Kreativer austauschen kann. Es gibt viele verschiedenen Bildungsinstitutionen, in denen unterschiedlich Design vermittelt wird. Ich hätte es toll gefunden in einem kreativen Netzwerk zu sein, mit anderen Studenten und somit einen größeren Austausch zu bekommen.

MATES: Was sind deine Top 3 Tipps, die du mit anderen Young Creatives gerne teilen möchtest?

Kira: 

  1. Austausch mit Anderen war für mich der Schlüssel zum Erfolg.
  2. Manchmal ist es hart und als Designer wird man oft nicht so Ernst genommen. Glaube an dich und bleibe beharrlich in deinen Zielen.
  3. Durch meine verschiedenen Praktikas und berufserfahrungen habe ich viel dazu gelernt und auch gerlernt als Teil eines Teams zu arbeiten. Das kann ich nur empfehlen, dadurch lernt man auch die kreativ Branche besser ken- nen und hat die Möglichkeit Erfahrungen in der Werbung, Corporate- und Web-Design machen. Das hilft einem auch das eigene Portfolio mit spanneden Aufgaben zu füllen und zeigt einem vielleicht auch das eigene Talent oder für welche Design Richtung man eine Leidenschaft entwickelt.

MATES: Was hat dir auf deinem Weg besonders weitergeholfen? (Bücher, Podcasts, Events, etc.) 

Kira: Ich persönlich habe das Holstee Manifesto im Kopf, auch wenn nicht immer alles so einfach ist wie man es sagen kann, so finde ich es trotzdem motivierend.

“This is your life. Do what you want and do it often. If you don‘t like something, change it. If you don‘t like your job, quit.
If you don‘t have enough time, stop watching TV. If you are looking for the love of your life, stop; they will be waiting for you when you start doing things you love. Stop over-analysing, life is simple.
All emotions are beautiful. When you eat, appreciate every last bite. Life is simple.
Open your heart, mind and arms to new things and people, we are united in our differences.
Ask the next person you see what their passion is and share your inspiring dream with them.
Travel often; getting lost will help you find yourself.
Some opportunities only come once, seize them.
Life is about the people you meet and the things you create with them, so go out and start creating.
Life is short, live your dream and shear your passion.”
(Holstee Manifesto)

Als Buch kann ich „Der Alchimist“ von Paulo Coelho empfehlen. In diesem Buch geh es darum was das Leben für Schätze bereithält. Der Alchimist hat bestimmt schon sehr viele Menschen auf der Suche nach ihrem persönlich besten Lebensweg inspiriert und wird vielleicht auch Euch inspirieren.

MATES: Vielen lieben Dank für deine Zeit und da tolle Interview, Kira!

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