FOKUS – und was uns 2018 gelehrt hat

Das neue Jahr ist ein Refresh, ein guter Moment, um sich neue Vorsätze zu suchen. Doch was soll Ganze eigentlich? Mit dem neuen Jahr ist ja nicht automatisch alles aus dem alten Jahr hinfällig. Daher haben wir uns dazu entschieden, uns nochmal zu überlegen, was uns im letzten Jahr wichtig war und was wir gerne ins neue Jahr mitnehmen möchten.

In diesem Zuge möchten wir Euch gerne von unserem Besuch auf dem „UNFOLDED Festival“ erzählen. Das Event hat uns sehr inspiriert. Auf die folgenden Punkte möchten wir im neuen Jahr immer wieder den Fokus legen und uns daran erinnern, dass sie uns wichtig sind. Vielleicht eignen sie sich sogar als Vorsätze 😉

9.11.18. Viel zu früh. Drei Mates. Auf dem Weg nach Gmund am Tegernsee. Gemeinschaftliche Müdigkeit und die Frage, was uns eigentlich erwartet, beim UNFOLDED Design- und Printfestival in der Papierfabrik „Gmund Papier“ mitten im beschaulichen Bayern.

Ein paar Tage zuvor hieß es im Team noch „UNFOLDED? Was ist denn UNFOLDED?“, „In Gmund? Was wollen wir in Gmund?“ „Wo ist das überhaupt?“ „Ach, das ist doch am Tegernsee.“ „Design Festival? Print? Warum eigentlich nicht.“ Und dann folgte die große Überraschung. Unsere Erwartungen wurden weit übertroffen.

Wir trafen völlig unerwartet auf eine visionäre Papierfabrik, ein innovatives Restaurantkonzept, das sich an die Öffentlichkeit richtet und gleichzeitig Mitarbeiterkantine ist, eine unglaublich kreative Umgebung, entspannte und inspirierende Menschen – und unglaublich schöne Designs. Und alles so gar nicht digital.

Was genau aber hat uns an dem Ort und der Veranstaltung eigentlich so begeistert?

Vermutlich war es die selbstbewusste Haltung der Menschen von Gmund Papier, die nach dem Motto „Finanziell rechnet sich das nicht, aber wir wussten, wir müssen das tun“ jegliches Engagement in das Design- und Printfestival gesteckt und damit einen kleinen, vermeintlich unscheinbaren Ort sowie eine, vermeintlich verstaubte, Disziplin wie die Papierherstellung, mit Leben und Kreativität befüllt haben.

Es war auch die Selbstverständlichkeit, mit der das Festival inmitten der Produktionshallen der Papierfabrik stattfand, Menschen verschiedener Disziplinen zusammenkamen. Produktionsmitarbeiter standen mittags mit den Festival-Gästen für Weißwurst & Breze an, Aussteller unterhielten sich mit Speakern nach ihren Talks über die Zukunft von Design und über hochwertige Materialien und der Marketingspezialist tauschte sich mit Druckexperten aus.

Übergreifend war es wohl der visionäre, inspirierende und sehr menschliche Spirit, den wir vor Ort vorfanden.

Rückblickend nehmen wir konkret fünf zentrale Themen mit, die uns die „UNFOLDED“ einmal mehr vor Augen geführt hat und die wir gerne mit Euch teilen möchten.

 

1/Nachhaltigkeit – Ja, schon wieder. Aber es ist eben wichtig

Den Auftakt machte der Geschäftsführer von Gmund Papier Florian Kohler und hinterließ mit seinem bewegenden Vortrag Eindruck. Er fiel ohne lange zu fackeln mit dem Thema Nachhaltigkeit ins Haus. Nicht lehrerhaft und ohne Moralkeule. Sondern echt, mitten aus dem Leben und mit dem Ziel wachzurütteln. Weil er selbst als Person eben so denkt, weil seiner Meinung nach die Papierfabrik in der Verantwortung ist, dieses Thema anzusprechen. Das hat gesessen. Auf einem Design- und Printfestival zu Beginn direkt ein solch gewichtiges Thema. Danach wussten wir, das Ganze hat Substanz, die haben hier eine Mission. Zwischen all den wunderschönen Designs und Produkten steckt eine wichtige Botschaft. Tue Gutes. Mit Bewusstsein für nachhaltige Ressourcen, Kooperationen und dem Ziel, Vorbild zu sein. Wie gut, dass er diese Rolle übernimmt, für sein Unternehmen, seine Mitarbeiter, uns.

 

2/Verantwortung – Macht und Einfluss für das Gute einsetzen

Verantwortung übernehmen – für unser Handeln, für die nächsten Generationen, für unsere Erde. Schon kleine Schritte können Großes bewegen. Doch als Einzelperson fühlt man sich schnell hilflos, weil man glaubt das eigene Handeln sei nur ein Tropfen auf den heißen Stein. Gerade wenn man sich in Überlegungen verliert, wie viele Möglichkeiten es gäbe, Gutes zu tun, wenn in Politik, Wirtschaft und der Gesellschaft einiges anders liefe. Dass es in solch grauen Momenten aber wichtig ist, nicht aufzugeben, hat uns auf der UNFOLDED Uli Mayer-Johanssen mit ihrem bewegenden Talk wieder vor Augen geführt. Sie ermutigte vor allem Menschen und Marken, sich zu engagieren und gab uns auf den Weg, dass wir in der Lage sind, etwas zu bewegen und dass wir stärker sind, als wir glauben. Warum aber gerade Menschen und Marken? Wir Menschen dürfen als Einzelperson nicht aufhören, hinzuschauen und anzupacken. Wir sollen Vorreiter sein und andere mit auf den Weg nehmen. Und bei den Marken liegen Macht, Budget und Einfluss. Sie hätten die Möglichkeit, diese Faktoren für Gutes einzusetzen.

 

3/Design – Ein „ja“ zu Ästhetik in Zeiten von VR und AI

Das Design- und Printfestival war regelrecht ein Erlebnis – weil es so super analog war. Gerade in Zeiten, in denen sich alles um Digitalisierung und Technologisierung dreht. Während viele zwischenmenschliche Interaktionen und Produkterlebnisse mittlerweile virtuell stattfinden, konnten wir die Produkte auf der UNFOLDED anfassen, drehen, daran riechen. Es waren echte Produkte – zum Fühlen, in der Hand drehen, mit dem Finger über Prägungen und Muster fahren. Das Festival war ein echter Ort der Zusammenkunft mit echten Erlebnissen.

Und gleichzeitig war alles unglaublich schön. Schön anzuschauen, mit Liebe zum Detail konzipiert und produziert. Gerade während sich alles rund um Big Data, Transformation, künstliche Intelligenz, VR und AR dreht, was oft noch abstrakt ist und wenig greifbar, war das Haptische, bei dem vor allem hochwertige Materialen und anspruchsvolles Design im Vordergrund standen, ein wahres, fast schon ein wieder entdecktes Erlebnis. Eines, das in meinen Augen auch für Entschleunigung und mehr Bewusstsein in einer sehr schnelllebigen und von Technologie getriebenen Zeit steht.

 

4/Zusammenschluss – zusammen ist man stärker, vor allem disziplinübergreifend

Ich bin davon überzeugt, dass gute Dinge entstehen, vor allem, wenn viele kluge Menschen verschiedener Disziplinen zusammenarbeiten. In interdisziplinärem Arbeiten liegt also die Macht! Das hat einmal mehr Gmund Papier gezeigt, die als Papierfabrik nicht nur ein attraktives Design- und Printfestival auf die Beine gestellt, sondern zusammen mit Textern, Fotografen und anderen Akteuren ein hochwertiges editorielles Magazin herausgebracht haben. Auf hochwertigem Material, mit anspruchsvollem Design und hoch relevanten Themen unserer Zeit. Das ist nicht der erste Gedanke, den man hat, wenn man an eine Papierfabrik denkt. Ich finde, das ist ein sehr schönes Beispiel dafür, dass mit innovativen Ideen, Offenheit für neue Wege, wertvollen Kontakten und Engagement etwas Großartiges auf die Beine gestellt werden kann. Abseits von dem Erwarteten oder Gewohnten.

Auch das „Mangfallblau“, das Restaurant direkt auf dem Fabrikgelände, ist ein Beispiel dafür. Ein zeitgemäßes Konzept für Mitarbeiter sowie die Öffentlichkeit. Werktags kommen hier Mitarbeiter zusammen, um ihre Pausen zu verbringen. Von Marketingleiter bis Werksmitarbeiter. Die Position des Mitarbeiters spielt hier keine Rolle. Hier tauschen sich alle aus und teilen Ideen. Jeder bereichert jeden, mit seiner ganz individuellen Sichtweise. Am Wochenende ist das Restaurant für die Öffentlichkeit geöffnet, die dann den einzigartigen Spirit vor Ort erleben kann.

Diese Werte von Integration, des Miteinanders, der Offenheit gegenüber Neuem war bis ins kleinste Detail auf dem Festival zu spüren.

 

5/Geld – „von Luft und Liebe leben“ als romantische Vorstellung

„Das ist so schön.“ „So toll, dass ihr das macht.“ „Inspirierender Laden. Solche müsste es viel öfter geben“. Sie schauen sich um, finden alles wahnsinnig schön, verlassen den Laden ohne etwas zu kaufen und fragen sich draußen, wie so ein kleines Geschäft wohl überleben kann. So laufen viele Kundenbesuche. Und genau hier liegt das Problem.

Kleine Marken können leider nicht von Luft und Liebe leben. Selbst wenn sie ihr Business nicht des Geldes wegen betreiben, sondern aus Leidenschaft. Weil Kunden häufig nichts kaufen, sondern „nur mal schauen“, sterben innovative, inspirierende und visionäre Ideen, Marken und Produkte. Einmal mehr wurde uns das bewusst, als der Geschäftsleiter Florian Kohler von Gmund Papier auf der Bühne über genau dieses Szenario gesprochen hat. In seinem Fall, erzählte er, höre er häufig, wie sehr sich Besucher freuen, dass es jemanden gibt, der „das“ noch mache. Dass „das“ jemand bewahre. „Das“ – dieses traditionelle Handwerk. Denn heute gibt es sowas ja nur noch selten. Solche Äußerungen hört man als Geschäftsführer oder Inhaber natürlich gerne, weil sie Wertschätzung für die eigene Arbeit bedeuten. Doch die Vorstellung, dass das reicht, um zu überleben, ist leider zu romantisch. Vielleicht haltet Ihr daher nächstes Mal kurz inne, wenn Ihr einmal mehr einen netten kleinen Laden entdeckt habt, den ihr nach einer Runde Stöbern etwas beschämt verlassen möchtet, und dreht Euch noch einmal um.

Mir bleibt jetzt eigentlich nur noch zu sagen, dass wir nicht für diesen Artikel bezahlt werden, wir sind wirklich begeistert 🙂 Und vor allem: Danke „UNFOLDED“, danke Gmund Papier.

Zusammen für mehr machen, weniger zweifeln. Für mehr Inspiration, weniger Barrieren. Für mehr gemeinsam, weniger allein.

 

 

Bilder von oben nach unten, links nach rechts: Logo UNFOLDED; Gmund Papier Magazin; Restaurant “Mangfallblau”; Quelle: instagram.com/gmundpaper

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