Existenzangst in der Münchner Kreativszene. Ein Resümee.

November. Wir haben uns einen Monat lang intensiv mit dem Thema „Existenzangst“ beschäftigt und uns gefragt, wie wohl Kreative in München damit umgehen und ob Existenzangst für sie überhaupt ein Thema ist. Dazu haben wir Freelancer aus der Branche befragt und das Thema im Rahmen unserer Panel-Diskussion vor zwei Wochen mit unseren Gästen diskutiert. In diesem Beitrag findet ihr die wichtigsten Ergebnisse unserer Recherche zum Thema Existenzangst im November.

Wie steht es also um die Existenzsangst in München? Drei Fragen an Freiberufler

Für nur 47% der Befragten spielt Existenzangst im täglichen Leben eine tragende Rolle. Hättet ihr uns vor der Umfrage gefragt, so hätten wir mit einer viel höheren Prozentzahl gerechnet. Aber natürlich spielen hier sehr viele unterschiedliche Faktoren wie Lebensumstand oder aktuelle Auftragslage eine Rolle.

Wir wollten von den Befragten wissen, was sie tun, wenn sich die Existenzangst doch einmal ins Bewusstsein schleicht? Gemeinsamer Austausch, Rücklagen und ein gesundes Selbstbewusstsein waren die meistgenannten Punkte. Aber auch Ausgleich schaffen – vor allem in Form von Meditation – sind immer wieder Themen, die in der Befragung auftauchten. Interessant war für uns auch die letzte Frage, bei der wir wissen wollten , was sich in Zukunft in der Branche ändern sollte, damit das Thema Existenzangst nicht dominant vorherrscht. Die relevantesten Schlagwörter waren hier langfristige Planung und Verbindlichkeiten. Auf individueller Seite spielen auch die Themen Vertrauen und Selbstreflexion eine große Rolle.

 

 

Von anderen Lernen

Um noch tiefer ins Thema einzusteigen, haben wir mit unseren vier Speakern und vielen tollen Gästen bei uns im Space diskutiert. Im Panel waren Bernhard Kahlhammer, Entrepreneur, Podcaster & Mitgründer von Kinoheld; Caroline Nichols, Gründerin von 3bears; Simon Heereman, UX-Designer und Dr. Anne Graefer, Gründerin von IQ.

„Angst ist ein gesellschaftliches Problem, das man individuell fühlt“

„Angst ist ein gesellschaftliches Problem, das man individuell fühlt“. Anne, die mehrere Jahre in London gelebt und dort auch an der Universität gelehrt hat, wagte zusammen mit ihrem Mann den Schritt in die Selbstständigkeit. Weg von einem gesettelten Leben mit Haus und festem Arbeitsplatz. Weg aus London, zurück ins Bürokratieparadies Deutschland. Und da kommt die Existenzangst ins Spiel, gemischt mit dem Gefühl von Freiheit. Was ihr in dieser Zeit geholfen hat? Der Austausch und Freunde. „Denn Angst ist kein guter Berater“, sagt Anne.

Caroline gründete 2016 die Marke 3bears, die u.a. durch das TV-Format “die Höhle der Löwen” bekannt wurde. Gründung. Ein neuer Abschnitt und viele Gedanken, was wohl kommen wird. Und die erste Zeit, die aus Nachtschichten und „immer am Limit“ hin zu Überarbeitung geprägt ist. Doch diese Zeit war wichtig, wichtig um voran zu kommen und zu lernen. Aber auch die Angst, vor dem, was kommen wird. Caroline erzählt, wie sich diese Angst mit der Entwicklung hin zum Arbeitgeber, inklusive größerem Team und wachsender Verantwortung, geändert hat. Was ihr in dieser Zeit geholfen hat? Ebenfalls der Austausch mit anderen sowie das Zugeständnis, Mensch zu sein und auch sein zu dürfen. Das bedeutet auch offen über Ängste und Risiken zu sprechen und die Bereitschaft, von den eigenen Mitarbeitern zu lernen.

„Ich habe 10 Jahre lang mit Existenzangst gelebt“. Mit diesem Statement beginnt Simon. Simon ist UX-Designer und erzählt von seinem Weg, von zwei Burnouts und die Suche zu sich selbst und von den Herausforderungen der Persönlichkeitsentwicklung. Für ihn liegt in der Existenzangst auch die Schönheit, sehr nah am Leben zu sein, eben zu leben. Doch zwei Burnouts zeigen auch, dass es wichtig ist in die eigene Persönlichkeit hineinzuwachsen. Leben heißt Lernen. Was ihm in dieser Zeit half? Gute Freunde, Meditation, zu sich selbst zu finden und dabei nicht unbedingt den Erwartungen der Gesellschaft zu entsprechen.

Und dann war da noch Bernhard. Bernhard, der von den Herausforderungen eines Gründungsstreits erzählt und wie Existenzangst auch Auswirkung auf das gesamte Leben und soziale Beziehungen haben kann. Doch dieses Gefühl von „ständig getrieben“ sein, kann auch sehr viele Chancen mit sich bringen. Es kann Antreiber für Ideen sein. Doch was hilft in schwierigen Zeiten? Auch er nennt den Austausch mit anderen sowie Feedback einholen und Coaching. Und Mentoring. Mentoring von Leuten, zu denen du aufschaust. Und die dir aufzeigen, wie Dinge laufen können und wie man schwierige Situationen besser handeln kann.

Was wir rund um das Thema Existenzangst mitnehmen

Was sind nun die Key Facts, die wir in Bezug auf Existenzangst aus der Befragung und der Panel-Diskussion mitnehmen? Um es in wenigen Worten zu sagen: ein starkes Netzwerk und das Vertrauen in sich selbst.

Existenzangst ist sehr oft verbunden mit der aktuellen Lebensphase und der Erfahrung, freiberuflich zu arbeiten. Wichtig ist, für sich selbst einen Weg des Ausgleichs zu finden, um mit diesen Ängsten umzugehen. Aus Sicht der Branche gibt es sicher auch einige Punkte, die verbessert werden können. Mentorenprogramme, Absicherungsmaßnahmen oder die Unterstützung gerade zu Beginn der Karriere könnten ein guter Anfang sein.

 

Zu guter Letzt: für alle die unsere Panel-Diskussion verpasst haben – Bernhard, unser Podcast Master hatte sein Equipment eingepackt und für euch den Abend aufgezeichnet. Sobald der Podcast online ist, findet ihr hier den Zugang 🙂

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